Album der Woche: Prince – Sign O’ The Times (Super Deluxe Edition)

Album der Woche: Prince – Sign O’ The Times (Super Deluxe Edition)

Reissues legendärer Alben sind häufig ein zweischneidiges Schwert: Zum Einen bekommen lechzende Fans die ein oder andere bisher unveröffentlichte Single vergangener Idole, zum Anderen spalten ambitionierte oder faule Remasterversionen die puristische Hörerschaft. Im Falle von Princes Sign O‘ The Times (2020) setzen The Prince Estate und Warner Records dem Werk allerdings ein multimediales, allumfassendes und vor Allem erneuerndes Denkmal.

Die schiere Masse der Super Deluxe Edition mit ihren über acht Stunden Laufzeit kann erstmal überfordern. Gerade, weil die Sammlung nach dem Remaster des Originalalbums und der obligatorischen Single-Sammlung quer durch alle Plattenformate tatsächlich mit 63 unveröffentlichten Songs um die Ecke kommt. Dabei bekommen nicht nur Demos und alternative Takes ihren Platz, ein großer Teil der Songs wurde zwischen 1985 und -87 fertig produziert, für die nie veröffentlichten Alben Dream Factory, Camille und Crystal Ball, ohne je einen Platz auf einem Longplayer zu bekommen

Dazu kommen Live-Aufnahmen von Konzerten in Utrecht und dem Paisley Park, die einmal mehr das virtuose Improvisationstalent des Gitarristen und das Zusammenspiel seiner Band nach der Auflösung von Prince & The Revolution dokumentieren. Absolutes Highlight ist dabei der einzige gemeinsame Auftritt von Prince und Miles Davis, ein Genregrenzen sprengendes Spektakel, dass in Form der durchproduzierten Single „Can I Play With You“ auch noch Klangfetischist*innen glücklich stimmen dürfte.

Begleitet wird der Sampler zusätzlich vom Konzertmitschnitt Live und in Farbe, die physischen Versionen enthalten noch dazu ein Buch mit Songtexten, Drafts und Begleittexten. Der Umfang des Releases geht dabei nicht nur in der Länge sondern auch in den Rezeptionsmöglichkeiten weit über das klassische Album hinaus.  Denn was wir bisher als Sign O‘ The Times kannten macht nur einen Bruchteil des Gesamtwerks aus. Dadurch wird nicht nur das Album, auch Princes gesamte Diskographie neu kontextualisiert. Der Sampler deckt Verknüpfungen auf und bietet den Hörer*innen eine bisher unmögliche feine Analyse des Werks eines der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts.

von Max Keefer

Lust auf mehr? Hier geht’s zu allen Alben der Woche!

Autoren:
Veröffentlicht am 14. Oktober 2020

Empfohlene Artikel